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Die Gärten des Guarapo
Die Bewohner von La Gomera haben aus der Palmenanpflanzung ein Aushängeschild für diese Insel gemacht
Es gibt wenige Orte wie La Gomera, an denen der Reisende vom Menschen geschaffene Landschaften geniessen kann, die keine Herausforderung für die Natur darstellen. Ohne Zweifel ist eines der überraschendsten Anblicke der Felder der Insel La Gomera die ausladenden Palmenwälder. Die Palme ist auf dieser Insel voller Überraschungen eine Konstante der Landschaft. Seit Zeiten vor der kastilischen Eroberung, haben die Bewohner eine enge Beziehung zu der Kanarenpalme gepflegt, eine emblematische Spezie der kanarischen Flora, die ihnen Kleidung, Holz, Honig und ein hochprozentiges Getränk gaben, das die Kastilier Palmenwein nannten.

Die Bewohner von La Gomera haben ihre Palmen immer so umhegt, als seien es die schönsten Rosen ihrer Gärten. Diese jahrhundertelange Sorgfalt hat eine Landschaft aus Tälern voller saftiger Palmen geformt, die ohne Zweifel eine der typischstens Abbildungen der Insel sind. Gerade und saubere Stämme und gepflegte und geschnittene Kronen bezeugen die grosse Zuneigung, die die Bewohner von La Gomera ihren Palmen entgegenbringen. Es ist nicht verwunderlich, dass Phoenix Canariensis (Kanarenpalme), die auf anderen Inseln in kleinen zerstreuten Grüppchen aufzufinden ist, hier der echte botanische Star der Insel ist, die es verstanden hat, sich eines der Pflanzenzysmbole der Kanarischen Inseln zu Nutze zu machen. Das eigentliche Geheimnis der Palme liegt in ihrem Saft.

Die Inselbewohner nannten den Palmensaft Guarapo, eine süsse und dicke Flüssigkeit, die aus den Kronen der am besten entwickelten Palmenexemplaren gewonnen wird. Die Bewohner von La Gomera steigen mit grosser Geschicklickeit in die Kronen hinauf, um in die Staude tiefe Einschnitte zu machen und den Nektar zu entnehmen, mit dem eine der grundlegenden Zutaten für die berühmten Süssspeisen der Insel hergestellt werden: Palmenhonig. Die betagteren Bewohner versichern, dass man etwa acht Liter guten Guarapo benötigt, um einen Liter Palmenhonig herzustellen, eine dicke und dunkle Flüssigkeit mit grosser Süsse, die sich als ideale Zutat für die bekannten Süssspeisen herausgestellt haben, die sofort nach ihrer Herstellung auf den Märkten von Las Palmas de Gran Canaria oder Santa Cruz de Tenerife verkauft werden. Und aus diesem Grund wird die Palme auf La Gomera so gepflegt.

 

Um den Guarapo zu erhalten, werden die Blätter der Spitze (Staude) geschnitten, so dass die Oberflächen der Enden des Stammes freiliegen. Jeden Tag wird bei Sonnenuntergang die Palme behandelt, das heisst, mit einem Beitel wird eine dünne Scheibe der kahlen Stelle abgeschnitten, damit sie während der Nacht "blutet". Der Guarapo wird über 4 bis 7 Monate jeden Tag am Morgen eingesammelt. Wenn die Pflanze gefährdet ist, wird mit diesem Verfahren aufgehört, damit die Pflanze eine neue Staude bildet, wozu 5 bis 6 Jahre nach dem “Aderlass” des Ejemplar nötig sind.

 

 Die Kanarenpalme ist eine endemische Spezie der Insel (sie stammt ursprünglich von dem Archipel) und weist grosse Unterschiede zu der Dattelpalme von Nordafrika auf. Die kanarischen sind etwas kleiner als die nordafrikanischen Verwandten (sie wachsen bis etwa 15 Meter, obwohl es Exemplare gibt, die höher als 25 Meter werden), hat aber auf der anderen Seite eine saftigere und geschlossene Krone und einen schlanken und geraden Stamm, weswegen sie schmuckvoller ist als die Dattelpalme.

 

Obwohl sie bis auf fast 1000 Metern über dem Meeresspiegel wachsen kann, ist  die natürliche Umgebung dieser eindrucksvollen Pflanzenspezies die Tiefe der Schluchten, wo sie sich zu saftigen Palmenwäldern zusammenschliessen oder die Abhänge der Berge, auf denen kleine Gruppen oder Einzelexemplare anzutreffen sind. Auf La Gomera kann man beide Versionen bewundern, aber die spektakulärsten Anordnungen befinden sich auf dem Grund einiger Schluchten, die sich in Gärten mit tausenden von Palmen verwandelt haben. Die bedeutendsten mögen das Tal Gran Rey und Vallehermoso sein, spektakuläre Schluchten, die bevölkert von Palmen sind und wo man die Arbeit der Bauern von La Gomera bewundern kann, die es verstanden haben, die Palmen zum Weinen zu bringen, um ihnen ihren Néctar wegzunehmen.
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